Im Vertrauen gesagt

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Die Überschrift „Menschen suchen Werte in der Arbeitswelt, die dort gar nicht hingehören“ eines Artikels in der Süddeutschen Zeitung hat mein Interesse hinreichend befördert.

Der Münchner Professor Michael Bordt führt darin aus, dass unzulässiger Weise die Befriedigung von Werten aus der Nicht-Arbeitswelt im Kontext von Erwerbsarbeit gesucht und/oder eingefordert werden. Neugierig wurde ich deshalb, weil mein Standpunkt eher vom entgegengesetzten Bild ausgeht:

Im Zuge der derzeitigen vehementen Änderungen der Bedingungen von Erwerbsarbeit verschwimmt die Grenze von Arbeit/Nicht-Arbeit zusehends (man denke nur an den Stand der Diskussion zu den Anforderungen der Generation Y an den Sinngehalt von Arbeit) – damit einhergehend wird Arbeit (oder: das System Wirtschaft) tendenziell mehr zum Gegenstand von Erwartungen, die bis vor wenigen Jahrzehnten noch ausschließlich der Privatsphäre von Menschen zugeschrieben wurden.

Diesen Standpunkt fand ich sogar zu Beginn des Artikels wieder: „Dass persönliche Wertschätzung, Anerkennung und Vertrauen in der Arbeit gesucht werden, kann aber auch Ausdruck dafür sein, dass die Unterscheidung zwischen Arbeitswelt und dem privaten Leben nicht mehr so klar gezogen werden kann.“

Nun war ich noch gespannter, wie es wohle weitergehen würde. „Die Gefahr daran ist, dass damit verbundene Erwartungen unrealistisch werden, weil eine Arbeitsbeziehung sie per se nicht erfüllen kann – und vielleicht auch nicht erfüllen sollte“. Vertrauen beispielsweise „ist eine persönliche Kategorie… wenn ich mich entschließe zu vertrauen, akzeptiere ich erstens bewusst die Möglichkeit verletzt zu werden, zweitens gehört zum Vertrauen die Annahme, dass derjenige, dem ich vertraue, meine Interessen und Bedürfnisse berücksichtigt,…zum Vertrauen gehört drittens, dass ich anfange ernsthaft an mir zu zweifeln, wenn mein Vertrauen schwer missbraucht worden ist… Diese drei Momente, die es uns erlauben von Vertrauen zu sprechen, spielen in den allermeisten Arbeitsbeziehungen keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle. Wenn jemand sein Vermögen bei einer Bank anlegt, wenn jemand Verträge mit einem Zulieferer abschließt oder einen neuen Mitarbeiter einstellt, dann ist er nicht bewusst bereit sich persönlich verletzen zu lassen. Man möchte sich auf die Bank, den Zulieferer oder seinen Mitarbeiter schlicht und einfach verlassen können. Man erwartet nicht Vertrauenswürdigkeit, sondern Professionalität.

Professionalität als Fundament von Verlässlichkeit. Ferner erwarte ich auch nicht, dass die Bank, der Zulieferer oder der Mitarbeiter meine eigenen Interessen oder Bedürfnisse in ihrer Arbeit berücksichtigen. Ich verlasse mich vielmehr auf ihr Eigeninteresse. Es ist im Eigeninteresse der Bank, mein Vermögen gut anzulegen, …“ und weiter „ Die Unterscheidung zwischen Vertrauen und Verlässlichkeit ist keine begriffliche Petitesse, selbst wenn sie im Einzelfall nicht immer so scharf gezogen werden kann.

Es macht aber einen großen Unterschied, ob ich jemandem vorwerfe, er sei nicht vertrauenswürdig oder nicht verlässlich. Der Vorwurf missbrauchten Vertrauens zielt auf die Person. Der Vorwurf, nicht verlässlich zu sein stellt uns als Person nicht in Frage. Auf ihn können wir reagieren. Meine Empfehlung: Wir sollten das Vertrauen zwischen Menschen dort lassen, wo es hingehört, in enge persönliche Beziehungen….Es aber allzu oft in der Arbeitswelt suchen zu wollen, belastet diese unnötig und führt zu Frustrationen.“ Ich finde – das ist allemal bedenkenswert.

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