Interview mit Robert Hartlauer zu der Leadership Challenge in Botswana

Welche Situation in Ihrem Unternehmen hat aus Ihrer Sicht überhaupt ein Training mit dem Führungskreis notwendig gemacht?

Mir als geschäftsführendem Eigentümer ist es sehr wichtig, dass wir uns im Unternehmen – und insbesondere im Führungskreis – gut verstehen. Ich hatte jedoch immer häufiger den Eindruck, dass wir oft aneinander vorbei reden; es manches Mal mehr um Befindlichkeiten und Emotionales als um die Sache geht und dabei viel Kraft auf der Strecke bleibt.

Wie kam es dann zu der Idee, mit Ihren Führungsmitarbeitern in die Wüste zu ziehen?

Ein Führungskollege erzählte mir von einem Training, dass wir vor zehn Jahren – also noch zur Zeit meines Vaters – in Kanada auf einer einsamen Insel durchgeführt hatten. Er war noch immer ganz begeistert, als er davon berichtete, und so entstand die Idee, erneut etwas Ähnliches zu machen. Ich habe darauf hin mit der Leitung unserer Akademie gesprochen und die Kollegen dort haben mir dann nach einigen Recherchen Process One empfohlen.

Bei dem Vorgespräch mit Peter Rathsmann von Process One haben wir dann auch darüber diskutiert, ob ich selber mitfahren solle oder nicht. Ich bin ein relativ dominanter Typ und ich wollte bei dem Training keinesfalls eine exponierte Rolle einnehmen. Wir haben dann entschieden, dass ich als normales Teammitglied mitfahre und entsprechend im Vorfeld nicht mehr Informationen zum Ablauf des Projektes erhalte als alle anderen Teilnehmer.

Für mich war es eine sehr gute Entscheidung mitzufahren. Zum einen, weil ich persönlich bei dieser Expedition sehr viel gelernt habe, zum anderen, weil es uns im Führungskreis auch hat zusammen wachsen lassen. Es wäre einfach schade gewesen, wenn ich da außen vor geblieben wäre.

Wie war die Erwartungshaltung bei den Teilnehmern?

Die Erwartungshaltung war durchweg positiv. Unsere Leute sind Neuerungen gegenüber sehr aufgeschlossen. Aber natürlich hat es auch ein paar Ängste gegeben: Wie ist so eine Wüstenexpedition? Wie wird es sein, die ganze Zeit draußen zu übernachten? Kann ich überhaupt mit einem Geländewagen auf einer Off-Road-Strecke umgehen? Vor allen Dingen gab es einige Sorgen bezüglich der Sicherheit. Gleichzeitig war aber auch bei allen ein großes Vertrauen, dass ich nichts initiieren würde, was einen von uns gefährden könnte. Schließlich bin ich selber als Familienvater und Leiter des Unternehmens keineswegs daran interessiert, Kopf und Kragen zu riskieren.

Wie haben Sie und Ihre Führungsmitarbeiter die Expedition als solche erlebt?

Es war für uns alle ein großartiges Erlebnis. Und jeder von uns hat etwas davon für sich mitgenommen. Das Ganze ist jetzt inzwischen ein Jahr her, aber jeder von uns erinnert sich von Zeit zu Zeit gerne daran.

Gab es Momente, in denen Sie das ganze Unterfangen am liebsten abgebrochen hätten?

Ja, ganz sicher. Jeder von uns hatte vermutlich irgendwann den Gedanken im Kopf: Was mache ich eigentlich hier? Eine Härteprobe für uns alle war bereits der erste Tag. Wir waren – aus Sicherheitsgründen verteilt auf zwei Maschinen – von München nach Johannesburg geflogen. Von dort aus ging es dann nochmals acht Stunden mit dem Auto weiter. Für den Abend steuerten wir einen Campingplatz an. Dieser entpuppte sich dann jedoch als ein freies Gelände in der Wildnis. Es regnete in Strömen. Wir standen also im Matsch und mussten in dieser Situation unsere Zelte aufbauen. Kein besonders ermutigender Auftakt.

Gab es auch Momente, die Ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben sind?

Ja, davon gab es eine ganze Menge. Und auch hier hat sicher jeder seine persönlichen Highlights mitgenommen. Ein gemeinsamer Höhepunkt war zweifelsohne der Abend des Tages, an dem wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt und dadurch tolle Erfolge erzielt hatten. Da war dann das gemeinsame Erleben und Gefühl, dass wir doch eine starke Mannschaft sind.

Welche Rückmeldungen haben Sie von Ihrem Führungskreis zu dem Training erhalten?

Die Rückmeldungen waren sehr positiv. Fast jeder hat – ebenso wie ich – viele Anregungen und Learnings mit nach Hause genommen. Für den ein oder anderen war es vielleicht auch einfach ein toller Urlaub. Und auch das ist aus meiner Sicht ein gutes Ergebnis.

War das Projekt im Nachgang betrachtet den Aufwand wert?

Absolut! Ich persönlich besuche zum Beispiel sehr ungern Seminare, weil ich einfach keine Lust auf lange Vorträge habe. Peter Rathsmann und Matthias Göttenauer haben uns jedoch zu Anfang jedes Tages nun ein paar Impulse mit auf den Weg gegeben. Über die konnte man dann in den darauf folgenden Stunden nachdenken. Für mich war das sehr fruchtbar und ich denke, für einige andere unter uns auch. Die Fahrten im Konvoi haben sehr gut die Unternehmenssituation gespiegelt. Mit vielen Autos im Konvoi ist man einfach langsamer als wenn man alleine unterwegs ist. Und man muss immer darauf achten, dass alle noch folgen können. Und dennoch lohnt es sich, im Konvoi zu fahren! Spannend war auch die Kommunikation über Funk. Man kann nämlich erst dann etwas sagen, wenn der andere zu Ende geredet hat. Eine tolle Übung in Sachen aktives Zuhören. Zudem weiß man nie genau, ob alle alles gleichermaßen gut hören konnten und mitbekommen haben.

Was konkret hat es Ihnen und Ihrem Führungs-Team für den Unternehmensalltag gebracht?

Wie gesagt, jeder hat da so seine ganz persönlichen Lernerfahrungen gemacht. Grundsätzlich kann man sicher sagen, dass wir dadurch ein größeres Verständnis füreinander entwickelt haben. In der einen oder anderen Situation können wir jetzt einfach besser verstehen, warum sich der Kollege so und nicht anders verhält. Darüber hinaus sind wir dabei, einige Prozesse umzustellen, doch das geht Schritt für Schritt. Peter Rathsmann hat – wie ich finde – zu Recht darauf hin gewiesen, dass man immer Gefahr laufe, nach so einem Training alles umstellen zu wollen und dann rasch wieder in alte Muster zu verfallen. Umstellungen von jetzt auf gleich haben wir entsprechend vermieden, aber einiges ist da inzwischen im Fluss.

Was war der wichtigste Unterschied zwischen vorher und nachher?

Da lässt sich nicht der eine große Unterschied ausmachen. Der Wert des Ganzen liegt in dem Nutzen für jeden Einzelnen. Es gibt in unserer Branche einen Spruch, der heißt „retail is detail“. Der lässt sich wunderbar auf das Thema Unternehmensführung übertragen. Es gibt nicht das eine, ausschlaggebende Kriterium, das ein Unternehmen erfolgreich macht. Und genauso wenig gibt es das für dieses Training.

Was hätte anders oder besser sein müssen? Was hätten Sie sich gewünscht?

Es war gut so wie es war.

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